Wir werden jung sein

„Wir werden jung sein“ und die Frage, wie wir handeln wollen

In Maxim Leos Roman „Wir werden jung sein“ stieß ich auf Seite 211 auf eine Passage, die das Fundament ethischen Handelns präzise beschreibt.

„Grundlage des moralischen Denkens war es seit jeher, das Wohl des anderen zu berücksichtigen, sich in die Position desjenigen zu versetzen, der meine Meinung nicht teilt oder der von meinen Handlungen Nachteile erleiden könnte.“

Dieser Gedanke, der Rollentausch als Kern moralischer Urteilsbildung, begleitet mich in meiner Vorlesung Wirtschaftsethik und Nachhaltigkeit. Er ist ein Leitmotiv. Mein Lieblingswort dafür: Perspektivwechsel.

Leo verweist auf die Bergpredigt, auf Buddha und auf den Kant’schen Imperativ. In meiner Lehre tauchen nicht alle diese Quellen auf, aber der Imperativ sehr wohl. Und auch die zugespitzte Version des Kabarettisten Dieter Hildebrand, die uns im Alltag leider allzu oft begegnet:

„Der Mensch ist Mittelpunkt. Ja, das hätten Sie gern. Der Mensch ist Mittel. Punkt.“

Diese bittere Pointe zeigt, wie schnell wir im wirtschaftlichen oder politischen Handeln Gefahr laufen, Menschen zu Ressourcen machen, zu Mitteln zum Zweck.

Dass ich ausgerechnet in einem Roman eine so klare Formulierung ethischer Grundprinzipien finden würde, hätte ich nicht erwartet. „Wir werden jung sein“ erzählt von einer experimentellen Verjüngungspille, die vier todkranken Menschen nicht nur das Leben rettet, sondern sie biologisch jünger macht.

Was als medizinisches Wunder beginnt, entfaltet sich rasch zu einem Geflecht aus persönlichen Hoffnungen, gesellschaftlichen Spannungen und globalen Gerechtigkeitsfragen.

Wir leben in einer Zeit, in der technologische Entwicklungen schneller voranschreiten als unsere moralische Orientierung. Künstliche Intelligenz, Biotechnologie, globale Ungleichheit, Klimakrise. All das verlangt nach einer Fähigkeit, die wir nicht delegieren können: Perspektivwechsel als Haltung.

Maxim Leos Roman empfinde ich als ein Gedankenexperiment, das uns zwingt, uns selbst zu fragen: Was würde ich tun? Und was bedeutet meine Entscheidung für andere?

Dass ich in einem Roman eine so prägnante Beschreibung dessen fand, was ich in meiner Vorlesung vermittle, hat mich überrascht. Ethik entsteht in Geschichten, in Begegnungen, in Entscheidungen. Sie entsteht dort, wo wir uns trauen, die Perspektive zu wechseln.

Und hier meine Frage an Sie: Welche Kompetenzen brauchen wir, um ethisch in einer beschleunigten Welt handeln zu können?

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Ich bin Bernd Scharbert und lehre „Wirtschaftethik und Nachhaltigkeit“ an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen innerhalb der Fakultät Business Science und Management.

In meiner beratenden Tätigkeit unterstütze ich Sie als Führungskraft dabei, interkulturelle Leitlinien in Ihrem Alltag umzusetzen. Gerne können Sie auch einen Blick in mein Buch werfen. „Prepare for Landing: Leitlinien für interkulturelle Führung“, erschienen im Verlag von Barbara Budrich. Es ist überall im Buchhandel erhältlich.

#Prepare4Landing #LeadershipInBalance #Brueckenbauer

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