Das Koala‑Plakat ist ein freundlicher Hinweis darauf, dass Australien längst Teil einer asiatisch‑pazifischen Zukunft ist.
Der Blick vom Taronga Zoo auf Sydney ist beeindruckend. Dieses Panorama, das sich wie eine Postkarte schreibt.
Doch der stärkere Eindruck kam von einem schlichten Werbeplakat: „Let’s talk Koalas“, mehrsprachig angeboten. Nicht auf Deutsch, nicht auf Französisch. Stattdessen Mandarin, Koreanisch, Japanisch und Spanisch.
Dieses Plakat erzählt mir eine Geschichte. Es zeigt, wie sich die Welt leise neu sortiert hat. Australien wirkte auf mich auf den ersten Blick wie ein Stück Europa mit einem gewissen amerikanischen Einfluss. Auf den zweiten Blick spüre ich, wie es sich nach Asien, seiner unmittelbaren Nachbarschaft orientiert.
Die kulturelle Nähe hat sich verschoben: Wer hierherreist, die Touristen, kommen überwiegend aus dem asiatisch‑pazifischen Raum. Die Sprachen auf dem Plakat sind ein Spiegel der Realität.
Mich hat dieses Plakat berührt, weil es zeigt, wie still sich die tektonischen Platten der Welt bewegen. Die Selbstverständlichkeit Europas ist kleiner geworden.
Interessant ist: Diese kulturelle Orientierung steht nicht im Einklang mit den geopolitischen Entwicklungen des Jahres 2026. Während Australien kulturell nach Asien blickt, vertieft es sicherheitspolitisch und wirtschaftlich seine Beziehungen zu Europa, auch zu Deutschland.
Gemeinsame Rüstungsprojekte, Kooperationen bei Lenkflugkörpern und Frühwarnsystemen. Gleichzeitig wächst die wirtschaftliche Verflechtung, von Lithium für die Energiewende bis hin zu neuen Lieferketten.
Das sind zwei Richtungen, die Australien zugleich einschlägt: eine kulturelle nach Osten, eine strategische nach Westen. Zwei Realitäten, die sich nicht widersprechen, aber unterschiedliche Horizonte öffnen.
Ich spüre darin auch etwas Persönliches: Wer zwischen Kulturen lebt und Veränderung begleitet, ist sensibel für den Empfang solcher Signale. Man erkennt sie in den Alltagsdetails und manchmal eben auf einem Koala‑Plakat.
Nun interessiert mich: Welche kleinen Alltagsdetails haben Ihnen schon einmal gezeigt, dass sich kulturelle Zugehörigkeiten verändern, lange bevor es die Politik tut?
——————-
Ich bin Bernd Scharbert, Mitglied im German Australian Business Council (GABC) und regelmäßig zwischen Frankfurt am Main und Sydney unterwegs.
Ich begleite und berate Sie gerne, wenn es um Interkulturelle Führung geht. Und ein Blick in mein Buch „Prepare for Landing: Leitlinien für interkulturelle Führung“ ist immer für einen Ratschlag oder eine Handlungsoption gut. Es ist überall im Buchhandel und im online Versand vom Verlag Barbara Budrich erhältlich.



