Vom Industriepark Höchst ins Halbfinale der Führungskultur

In den 1990er Jahren war das Betriebs-Fußballturnier im Industriepark Höchst (ehemals Hoechst AG) legendär. Mehr als 50 Betriebe und Stabsabteilungen nahmen teil.

Ich war damals ein junger Betriebsleiter. Meine aktive Fußballzeit war gerade beendet. Eine Trainer B-Lizenz hatte ich in der Tasche.

Und ich hatte das Glück, in meinem Betrieb auf echte Fußballtypen zu treffen. Einer davon: ein Ü50‑Schichtführer und ein technisch versierter Spielmacher, seinerzeit mit Mainz 05 in den 1960er Jahren knapp am Bundesliga Aufstieg gescheitert.

Schnell war klar, dass ich eine weitere Rolle übernehmen würde: Neben der Betriebsleitung die Rolle des „Cheftrainers“. Ursprünglich nicht geplant, aber gerne angenommen.

An Spieltagen endete die Morgenroutine mit einer Mannschaftsbesprechung. Ich selbst spielte im Team mit, als Einwechselspieler. Denn der Spielbeginn, eine Stunde nach Ende der Tagschicht, war zu früh, um sicherzustellen, dass ich es zeitmäßig immer in die Startelf schaffen würde.

Für die Spiele vereinbarten wir das „Du“ untereinander. Statt „Herr Dr. Scharbert“ war ich auf dem Spielfeld einfach der „Coach“.

Als wir schließlich im Halbfinale standen und ich die Aufstellung verkündete, kam der Spielerrat auf mich zu. Ein Moment, der nach Konflikt roch. „Coach, wir sind mit der Aufstellung nicht einverstanden.“ Ich fragte nach dem Problem. Die Antwort kam ohne Zögern: „Im Halbfinale sollte die beste Elf starten. Und da gehören Sie dazu.“

Dieser Satz hat mich berührt. Wegen des Kompliments und vor allem wegen des Vertrauens. Widerspruch war möglich, ohne Risiko. Führung wurde geteilt, nicht verteidigt. Wir gewannen das Halbfinale, verloren das Finale knapp, aber das Turnier wurde zu einem Teambuilding‑Mythos.

Was ich daraus mitnehme:

  • Teams wachsen durch gemeinsame Geschichten.
  • Durch Augenhöhe.
  • Durch Räume, in denen Menschen sich trauen, etwas zu sagen.
  • Und durch Führung, die nicht nur im Titel steckt.

 

Und jetzt interessiert mich: Welche Rolle haben Sie einmal übernommen, die Sie nie geplant hatten?

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Ich bin Bernd Scharbert und schreibe über Erfahrungen, die sich aus dem Fußball auf das Geschäftsleben übertragen lassen. Und ich begleite und berate gerne, wenn es um Interkulturelle Führung geht.

Gerne können Sie auch einen Blick in mein Buch werfen. „Prepare for Landing: Leitlinien für interkulturelle Führung.“ Es ist überall im Buchhandel erhältlich und im Online-Shop vom Verlag Barbara Budrich.
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