Urlaub muss sein – die Stellvertreterregelung

„Urlaub muss sein, aber wir haben da ein kleines Problem“, rief mir der Technik-Leiter zu.

Einer der Betriebsleiter des Werks, dessen Vorgesetzter ich war, wollte in den geplanten Urlaub gehen, als sein Stellvertreter aber plötzlich nach einem Ski-Unfall im Krankenhaus gelandet war.

„Haben Sie eine Idee, wer die Vertretung übernehmen könnte, so dass dem Urlaub des Kollegen nichts im Wege steht?“ fragte ich.

„Ich kenne jemanden, der den Betrieb schon mal geleitet hat“, kam es mit einem leichten Grinsen zurück.

„Neiiin“, meinte ich. „Das ist jetzt 10 Jahre her.“ Und mein Gedanke, ob ich mir das in meiner Funktion jetzt zeitlich leisten könne, schwang im Hintergrund mit. Denn schließlich stand ich noch für sechs weitere Chemie-Produktionsbetriebe in Verantwortung.

Nichtsdestotrotz nahm ich diese Herausforderung an.

Eine Woche war ich wieder der Betriebsleiter von damals in einem Betrieb, der mir als Werksleiter selbst unterstellt war. Zurück an die Basis und in die täglichen Arbeitsabläufe.

Es gab mehr zu tun als gedacht, denn genau in dieser Woche purzelte ein großer Auftrag rein, der den Umbau einer Produktionsstraße notwendig machte mit all den vielen Regularien, Tests und Absprachen.

Faszinierend, wie schnell ich mich wieder in den Tagesabläufen zurechtfand. Und wie ich meine eigenen handschriftlichen Notizen in den Aktenordnern wieder fand. Und wieviel Freude mir das Ganze bereitete.

Was ich als sehr positiv als Konsequenz dieser Entscheidung wahrgenommen habe, waren ….

✳️ Der Stolz der Mannschaft, dass sich mal der Werksleiter persönlich um die Geschicke des Betriebs kümmerte, zumal gerade dann, wenn es um einen wichtigen Auftrag geht. Das hat mich berührt.

✳️ Der Respekt der anderen Betriebsleiter des Werkes. Dafür, dass ich als ihr Chef diese, ihre Aufgabe annahm und ganz gut damit zurechtkam. Das hat mich ein wenig stolz gemacht.

✳️ Und schließlich die Botschaft, die sich im Werk herumsprach. Dass, wenn es um den Urlaub geht, vieles möglich gemacht wird. Das hat mich sehr gefreut.

➡️ Wie sehen Sie das? Ist das Abtauchen einer Führungskraft in einen Detailprozess von Zeit zu Zeit hilfreich, oder lenkt das eher von der übergeordneten Führungsverantwortung ab?

Ich bin Bernd Scharbert und meine Aufgabe als Mentor und Begleiter von Führungskräften ist es, nach mehr als 30 Jahren Führungserfahrung in der Unternehmenswelt mein Erfahrungswissen weiter zu vermitteln. Bei Interesse können Sie gerne #prepare4landing folgen oder mich direkt ansprechen.

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