Tagesform des VAR

Es gab einmal diesen einfachen Moment im Fußball: Wenn die eigene Mannschaft ausgeschieden war, konnte man sich zurücklehnen und das Spiel genießen. Neutral, neugierig, offen. Der Bessere sollte gewinnen. Punkt.

Doch dieser Moment ist verschwunden. Nicht wegen eines einzelnen Fehlers, sondern wegen eines schleichenden Vertrauensverlusts. Die Technik, die den Fußball gerechter machen sollte, hat sich in den Mittelpunkt geschoben.

Die Szenen der letzten Nacht stehen exemplarisch dafür. Ein Ball berührt sichtbar die Spider-CAM, verändert seine Flugbahn, doch der VAR greift nicht ein. Die Balltechnik meldet keinen Kontakt. Ein technisches Versagen in einem Viertelfinale einer WM. Einige Spiele zuvor das Gegenteil: Ein angeblicher Ballkontakt führt zur Aberkennung eines kroatischen Treffers, obwohl die Kamerabilder nichts zeigen.

Und dann die gelb-rote Karte für Embolo. Formal korrekt, weil der falsche Spieler verwarnt worden war. Aber wo war das Fingerspitzengefühl? Wo die Verhältnismäßigkeit? Besonders, wenn man sich erinnert, dass im ersten Spiel kein VAR eingegriffen hat, als Messi nach einem rotwürdigen Foul weiterspielen durfte.

Es entsteht ein Muster: Mal greift der VAR nicht ein, obwohl er müsste. Mal greift er ein, obwohl er nicht sollte. Mal greift er ein, aber ohne jede menschliche Intuition. So verliert ein Spiel seine innere Logik und damit seine Glaubwürdigkeit.

Am Ende bleibt nur Resignation. „Tatsachenentscheidungen“, sagt man. Man müsse sich abfinden. Doch der Satz, der früher galt, in engen Spielen entscheide die Tagesform, bekommt plötzlich eine neue Bedeutung. Nicht die der Spieler. Sondern die des VAR.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir macht es gerade keinen Spaß mehr, zuzuschauen.

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Ich bin Bernd Scharbert und schreibe über Erfahrungen, die sich aus dem Fußball auf das Geschäftsleben übertragen lassen.

#FussballMeetsBusiness

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