Sichtbarkeit als Privileg

Was für ein Privileg, nicht unsichtbar auf der Buchmesse sein zu dürfen.

Als Autor auf der Frankfurter Buchmesse einen Fachbesucherausweis vom GABAL-Verlag zu haben, war eine wunderbare Möglichkeit, sich in Ruhe umsehen und stöbern zu können und sich gleichzeitig der Wertschätzung der ausstellenden Verlage gewiss sein zu dürfen.

„Darf ich Ihnen dazu einen Espresso bringen?“

Was für ein überwältigendes Gefühl im Vergleich zu meinen früheren Buchmesse-Besuchen, dichtgedrängt und immer in langen Schlangen vor aktuellen Themen und Büchern.

So bin ich aufgrund eines Lesetipps meiner Frau beim Ullstein-Verlag in deren Lese-Ecke gelandet und hatte schon das Buch von Hami Nguyen „Das Ende der Unsichtbarkeit“ in den Händen.

Hami Nguyen beschäftigt sich mit dem Thema anti-asiatischer Rassismus und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft, der in der Debatte oft ausgeklammert wird, weil asiatisch gelesene Menschen als „angepasst“ gelten. Sie sind unsichtbar. Die Autorin erzählt dabei ihre eigene Geschichte.

Der Kernsatz für mich findet sich auf Seite 222:

⏭ „Was die Dominanzgesellschaft tun kann, ist simpel und zugleich so schwer: Sie muss lernen, die Existenz verschiedener Perspektiven, die als fremd wahrgenommen werden, wertfrei anzuerkennen. Nicht zu bewerten, aus welcher Position heraus gesprochen wird. In welcher Sprache gesprochen wird und aus welchem Ort aus.“ ⏮

Die Autorin beschreibt dabei unter anderem anhand des berühmten Pressefotos des Napalm-Mädchens aus dem Vietnamkrieg, wie Menschen reagieren, die nie eine andere Perspektive als ihre eigene einnehmen mussten (S. 209).

Eine Konsequenz daraus ist fehlende Empathie und die Tatsache, wie wenig Schmerz nachempfunden werden kann, wenn er einen nicht direkt betrifft. Und diese Erkenntnis gilt meines Erachtens weit über den Themenkomplex anti-asiatischem Rassismus hinaus.

Ambiguitätstoleranz und die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel sind die Voraussetzungen für gegenseitiges Verstehen. Eine sogenannte transkulturelle Haltung geht Hand in Hand mit der Einladung, unterschiedliche Wahrnehmungen zu akzeptieren, Perspektiven und Kompetenzen zu erforschen und als Ressourcen zu nutzen, um die eigenen Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. (siehe auch Anna Fuchs, Transkulturelle Herausforderungen meistern, Rohwolt 2022)

„Wie reich wäre unsere Gesellschaft, wenn wir von den Bräuchen und Traditionen all derjenigen lernen könnten, die in diesem Land leben“, fragt auch Hami Nguyen auf Seite 215.  Ich stimme ihr zu.

➡ Und was meinen Sie? Was muss passieren, um diese Vorstellung des gegenseitigen Lernens realistischer werden zu lassen?

Ich bin Bernd Scharbert und meine Aufgabe als Mentor und Begleiter von Führungskräften ist es, nach mehr als 30 Jahren Führungserfahrung in der globalen Unternehmenswelt mein Erfahrungswissen weiter zu vermitteln. Bei Interesse können Sie mir gerne auf LinkedIn, #prepare4landing folgen oder mich direkt ansprechen.

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