Stellen Sie sich vor, sie sind in den USA an einem Marktstand und wollen ein paar Eier erwerben, und zwar die großen.
„Can I get six of the large eggs, please?“
Und man gibt Ihnen sechs von den kleinen, aus Ihrer Sicht „the small ones“. Denn klein existiert kaum im amerikanischen Sprachgebrauch. Klein wird übersetzt als „large“, die mittlere Größe ist „extra-large“ und groß heißt „giant“.
Sie hätten also nach den „giant eggs“ fragen müssen, um die großen zu bekommen.
Vielleicht waren Sie schon mal in einem Starbucks Café und haben sich einen kleinen Kaffee geholt. Klein heißt dort nicht „small“, sondern „tall“.
Oder nehmen Sie den Ausdruck „Great Job“.
Für deutsche Ohren hört sich das großartig an, nach Anerkennung und einem Kompliment. Was vermutlich gemeint ist, ist ein Standardlob für eine zufriedenstellend ausgeführte Arbeit. Nicht mehr und nicht weniger. Nach dem Motto „Praise colleagues and subordinates for normal accomplishments“.
„Interesting“ ist auch so ein zweideutiger Begriff.
Wenn ich von meinem amerikanischen Chef diese Bemerkung nach einem meiner Vorschläge hörte, war das ein Warnsignal. Es bedeutete so viel wie „was für ein Nonsens, ich bin da ganz anderer Meinung“. In England habe ich diese Interpretation des Wortes auch wahrgenommen. Eine höfliche Ablehnung.
„Ich werde sehen, was ich tun kann“ ist die Antwort eines Mitarbeitenden zum Beispiel in Spanien auf meine Frage, ob man das noch schnell erledigen könne. Das kann vieles heißen. Am ehesten wohl: „Leider nein, ich habe heute keine Zeit dafür“. Also ein indirektes Nein.
👉 Diese kleinen Missverständnisse können und werden im Business Kontext zu erheblichen Irritationen führen, wenn man diese ungeschriebenen Regeln nicht erkennt. Deshalb ist die kulturelle Einordnung, sozusagen das kulturelle Kartografieren eines bestimmten Kommunikationsverhaltens so wichtig.
👉 Nicht, weil es immer so sein wird. Nein, sondern um vorbereitet zu sein, falls es sich so darstellt.
Erin Meyer („The Culture Gap“), Richard D. Lewis („When Cultures Collide“) und Geert Hofstede („Culture’s Consequences: International Differences in Work-Related Values“) haben diesbezüglich Pionierarbeiten geleistet.
➡️ Und bei Ihnen? Welches Beispiel eines kulturellen Missverständnisses haben Sie erlebt?
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Ich bin Bernd Scharbert und unterstütze Führungskräfte mit meinen 4 Leitlinien (Guiding Principles) für interkulturelle Führung. Wenn Sie Interesse haben, folgen Sie mir gerne bei LinkedIn unter dem Hashtag #prepare4landing oder kontaktieren Sie mich direkt.



