Ich bin nicht der Einzige, sondern der Erste

Foto Credit: Bing ChatGPT (Hintergrund), ich bin echt.

 

Die Werksleiter der deutschen Standorte trafen sich in einer Videokonferenz, bei der es darum ging, das Auditsystem für Anlagen- und Arbeitssicherheit zu vereinheitlichen. Das hieß, aus den unterschiedlichen national geprägten Prozessen einen einheitlichen globalen Prozess zu gestalten.

Zuvor hatte es eine Reihe von Veränderungen in dem Unternehmen gegeben. Akquise, Abspaltung, Private Equity Übernahme mit Rückführung an die Börse. Und die Unternehmenszentrale war gerade von Deutschland in die USA verlagert worden.

Keine Überraschung, dass das neue einheitliche System das amerikanische war.

Während der Videokonferenz wurden wir über die Veränderungen und Anpassungen informiert, die uns in den deutschen Werken betraf. Wichtig, zum Teil auch sensibel.

Man konnte Fragen stellen. Theoretisch.

Von Seite der Werksleiter war es sehr ruhig. Ich aber traute mich mit mehr als einer Frage aus der Deckung. Schließlich wollte ich ausloten, was rechtlich auf mich zukam und wo meine Freiheitsgrade bei der Umsetzung lagen.
Nach der Veranstaltung rief mich mein amerikanischer Vorgesetzter an, der auch zugehört hatte.

„Bernd, du warst der Einzige in dem Meeting, der sich gegen die Einführung des neuen Systems gestellt hat, Warum?“. Mein Chef hatte also meine Fragen als Widerstand interpretiert.

„Ich bin nicht der Einzige. Ich bin nur der Erste, den du gehört hast.“

Dieser Satz machte ihn nachdenklich. In der Folge hörte er mir zu. Ich war sein erstes Sounding Board.

An der Einführung des neuen Systems konnte ich natürlich nichts ändern, wohl aber für mehr Verständnis auf amerikanischer Seite sorgen, was die Umsetzung betraf. Nicht alles konnte 1:1 kopiert werden.

Kennt ihr im Märchen „Dornröschen“ der Gebrüder Grimm die Rolle der guten Fee? Sie kann nicht die Verwünschung rückgängig machen. Aber sie kann wohl die Auswirkung abschwächen.

In der Rolle der guten Fee habe ich mich als deutscher Werksleiter in einem amerikanischen Unternehmen oftmals wiedergefunden. Es bedurfte das Aushandeln von Kompromissen. Immer wieder.

Global einheitliche Business Prozesse gehen auf Kosten der Kultur-Identität und bei der Umsetzung sind Einfühlungsvermögen, Ambiguitätstoleranz und die Fähigkeit gefragt, empathische Fragen stellen zu können.

Als ich später selbst in der globalen Manufacturing Rolle der Vorgesetzte der Werksleiter war, musste ich mir diese Tatsache immer wieder vor Augen führen. Meinen Chef damals hatte ich so erlebt. Ich habe viel von ihm gelernt.

➡️ Und bei Ihnen? Kennen Sie auch aus Ihrem Verantwortungsbereich die Rolle der guten Fee?

Ich bin Bernd Scharbert und meine Aufgabe als Mentor und Begleiter von Führungskräften ist es, nach mehr als 30 Jahren Führungserfahrung in der Unternehmenswelt mein Erfahrungswissen weiter zu vermitteln. Bei Interesse können Sie mir gerne auf LinkedIn, #prepare4landing folgen oder mich direkt ansprechen.

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