Hochmut kommt vor dem Fall – Dieser Satz geht mir nach meiner Rückkehr nach Deutschland oft durch den Kopf.
Denn so sehr das Land über Jahre aktiv um Einwanderung geworben hat, so wenig wurde investiert, um diese Vielfalt wirklich zu nutzen. Was ich erlebe, ist eine erstaunlich homogene Kultur, die sich schwer damit tut, andere Perspektiven anzunehmen oder gar zu akzeptieren, dass alternative Ansätze besser funktionieren können.
Besonders irritiert mich der Umgang mit Familien. In vielen Ländern gehören Kinder selbstverständlich dazu. In Restaurants, an Flughäfen, in Zügen. Es gibt Wickelräume, Stillbereiche, Familienzonen.
In Deutschland hingegen spürt man häufig Missbilligung, wenn man mit Kindern essen geht. Der Staat zahlt Kindergeld, um die Geburtenrate zu erhöhen, aber gesellschaftlich fehlt oft die Haltung, die Familien wirklich willkommen heißt. Meine eigenen Kinder sind längst erwachsen, doch mit meinen Enkelkindern erlebe ich diese Blicke immer wieder.
Das ist nicht überall so, aber eine Tendenz. Ich habe mir mittlerweile eine Liste von Restaurants zusammengestellt, die das Essen mit Kindern als USP, also als besonders hervorgehobenes Differenzierungsmerkmal betonen.
Gleichzeitig holen Unternehmen Expats ins Land, weil Fachkräfte fehlen. Aber sensibilisiert werden meist nur jene, die ins Ausland entsandt werden. Wer nach Deutschland kommt, muss sich „einfügen“, statt dass Führungskräfte lernen, wie man kulturelle Vielfalt produktiv macht.
Dabei zeigen andere Regionen, wie es gehen kann: Zum Beispiel wird im arabischen Raum in vielen Unternehmen eine unternehmensweite Sensibilisierung auf jeder Führungs-Ebene eingeführt. Das Ergebnis: Zusammenarbeit wie ein gut geöltes Uhrwerk.
Deutschland könnte davon profitieren, den eigenen Anspruch mit der Realität abzugleichen. Vielfalt ist ein wichtiger Rohstoff. Aber nur, wenn man ihn auch erschließt.
Und jetzt interessiert mich: Welche Gewohnheit in unserem Alltag könnten wir morgen ändern, um ein inklusiveres Miteinander zu ermöglichen?
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Dieser Beitrag basiert auf einem Gedankenaustausch mit Anton Punt, ausgehend von seinem Post auf LinkedIn (https://lnkd.in/dD4YTZ4J)
Ich bin Bernd Scharbert und unterstütze Sie als Führungskraft dabei, interkulturelle Leitlinien in Ihrem Alltag umzusetzen. Es geht darum, kulturelle Unterschiede nicht als Hürde, sondern als Stärke zu nutzen, und in global zusammengesetzten Teams echte Verbindungen zu schaffen.
Gerne können Sie auch einen Blick in mein Buch werfen. „Prepare for Landing: Leitlinien für interkulturelle Führung.“ Es ist überall im Buchhandel erhältlich und im Online-Shop vom Verlag Barbara Budrich.



