Hire & Fire zwischen Tempo, Druck und Integrität

Der Übergang vom deutschen ins amerikanische System war mir theoretisch klar. Doch erst, als ich mitten darinstand, traf mich die Wucht des Unterschieds.

Hire & Fire ist in den USA Realität, nicht Konzept. Kündigungsfrist: 14 Tage. Nachfolger: irgendwann. Die Lücke dazwischen? Ein organisatorisches Vakuum, das man irgendwie überbrücken musste.

Das war nie mein Verständnis von Führung. Ich hatte immer darauf geachtet, dass eine Pipeline existiert, bevor ein Wechsel nötig wurde.

Als ich eine globale Organisation übernahm, traf mich die Realität besonders hart: Ein Werk in den USA, ländlich, strukturschwach, kaum attraktiv für Ingenieure und eine Pipeline, die praktisch nicht existierte.

Meine amerikanischen Chefs wurden ungeduldig. An der Spitze des Werks musste ein Wechsel her, und mein eigener Stuhl begann zu wackeln.

Fast ein Jahr arbeitete ich an einer Lösung. Als der Tag der sauber orchestrierten Wechselkaskade endlich stand, kam mein Chef um die Ecke: Bitte verschieben. Er hatte einen Besuch geplant und wollte keinen Ärger.

Meine Antwort: „Nein. Wir ziehen das jetzt durch.“ Ein Moment, in dem man sich entscheidet für Haltung und nicht für Bequemlichkeit.

Der Wechsel lief reibungslos. Der Werksleiter war erleichtert, das Team dankbar, die Kommunikation klar. Zwei Tage später kam mein Chef und war überrascht, wie leise und professionell alles abgelaufen war. In diesem Moment gewann ich sein Vertrauen. Endlich. Und vollständig.

Kulturelle Unterschiede werden manchmal im Bauch besser verstanden als im Kopf. Geduld bedeutet in den USA etwas anderes als in Deutschland, besonders im ersten Jahr. Ich nahm mir die Zeit, um eine Pipeline aufzubauen, aber mein Umfeld erwartete eine schnelle und sichtbare Reaktion.

Und die wichtigste Lektion: Vertrauen entsteht durch Haltung, Konsequenz und Mut.

Und jetzt interessiert mich: Heißt „Geduld“ Wirkung zeigen, um mehr davon zu bekommen, oder sich die Zeit nehmen, um es richtig zu machen oder wie definieren Sie den Begriff?

——————-
Starke interkulturelle Führung befähigt globale Teams dazu, mit Klarheit, Vertrauen und Wirkung herausragende Ergebnisse zu erzielen. In meinem Buch finden Sie vier konkrete Maßnahmen, die Ihnen helfen, die Zusammenarbeit über Kulturen hinweg zu stärken. Ich bin Bernd Scharbert und unterstütze Sie gern dabei.

Das Buch mit dem Titel „Prepare for Landing: Leitlinien für interkulturelle Führung“ ist im Online‑Shop vom Verlag Barbara Budrich und überall im Buchhandel erhältlich.

Verwandte Themen

Consent Management Platform von Real Cookie Banner