Heimatsuche

Es regnet, als ich mit meinem aufgespannten blauen Regenschirm vor der Haustür meines Elternhauses ankomme. Ich freue mich auf eine Tasse Kaffee.

Es ist zwar anders als früher. Den Kaffee koche ich und den Kuchen bringe ich auch mit. Wir sprechen über die Biografie meiner Eltern, die gerade, 135-seitig, fertig geworden ist. Es geht um ihre Kindheit, Flucht und Vertreibung nach dem Krieg und um den Aufbau einer neuen Existenz, zusammen.

Nach all meinen Auslandsjahren und dem ständigen „Beruflich-unterwegs-sein“ fühle ich mich ein Stück weit zuhause angekommen. Ein Stück weit. Denn wir, meine Frau und ich, pendeln immer noch zwischen Kleinstadt mit Urlaubsgefühl und Großstadt in Flughafennähe. Auch deshalb, weil wir immer noch zwischen den Welten unterwegs sind. Von Deutschland nach Australien und zurück.

Angekommen in der Kleinstadt unserer Kindheit legen wir gleichzeitig Wert auf unsere Unabhängigkeit. Auch deshalb unser kleines Ferienapartment mit Schwarzwald-Charakter (im Bild rechts), ein paar Gehminuten von unseren beiden Elternhäusern entfernt. Jeweils. Nur in eine andere Richtung.

Ich habe mich oft gefragt, wo meine Heimat ist. Ich bin in dieser schwäbischen Kleinstadt aufgewachsen, in die meine Eltern kurz vor meiner Geburt gezogen sind. Ein breites Schwäbisch habe ich nie wirklich gelernt, weil bei uns zuhause Hochdeutsch gepflegt wurde. In der Schule hat mir das für meine Leistungen sehr geholfen, mich aber zum Außenseiter gemacht. Nur gut, dass ich ein talentierter Fußballspieler war. Im Verein war ich akzeptiert und ein Stück weit heimisch.

Heimat entsteht nicht einfach, sondern der Mensch gestaltet aktiv sein eigenes Heimatgefühl. Die Heimatforschung nennt diesen Prozess, bei dem wir das Gefühl von Heimat aktiv herstellen, „Beheimatung“. Das bedeutet, Beziehungen zu Orten und den dort lebenden Menschen den eigenen Bedürfnissen entsprechend zu gestalten und damit Verantwortung für sich selbst, aber auch für den Ort und die Menschen dort zu übernehmen.

Das beschreibt Mona Gabriel so in ihrem großartigen Buch „Zuhause aber trotzdem fremd“ (S. 45, 238).

Mit dieser Perspektive betrachte ich den Lebenslauf meiner Eltern in dem, was sie erzählen und wie es nun aufgeschrieben ist. Und ich entdecke meine Spuren im Kosmos dieser Gedanken und nehme wahr, wie sie sich in das Puzzle meines Ideen-Journals der letzten beiden Jahrzehnte einfügen. Faszinierend.

Um die Zukunft zu gestalten, ist es gut, die Vergangenheit zu kennen.

➡️ Und Sie? Wie schauen Sie auf Ihre Vergangenheit, wenn Sie an die Zukunft denken?

Ich bin Bernd Scharbert und unterstütze Führungskräfte mit meinem Erfahrungswissen aus über 30 Jahren Führungserfahrung in der Unternehmenswelt. Besonders bei der Frage, wie man Familie, Beruf und Leben vereinbaren kann. Bei Interesse folge mir gerne auf LinkedIn, #prepare4landing oder kontaktiere mich direkt.

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