Gewinnstreben und gesellschaftliche Verantwortung – Widerspruch oder Zukunftsmodell?

Diese Frage stellt Markus Scholz in seinem Buch „Wirtschaft mit Werten“.

Seine Antwort ist klar: Unternehmen tragen Verantwortung für die Werte der liberalen Demokratie. Und zwar nicht nur aus moralischen Gründen, sondern auch aus purem Eigeninteresse. Denn ohne stabile demokratische Rahmenbedingungen gibt es keine verlässlichen Märkte, keine Innovationskraft und keine langfristige Wertschöpfung.

Ethisches Wirtschaften ist also kein „Nice to have“, sondern eine strategische Notwendigkeit. Voraussetzung dafür ist, dass Unternehmen ihre Rolle neu denken: Verantwortung nicht als PR-Element, sondern als Haltung.

Scholz formuliert fünf konkrete Vorschläge, wie Unternehmen aktiv zur Stärkung der liberalen Demokratie beitragen können:

Punkt 1 – Einen Wertekompass entwickeln: Unternehmen brauchen klar definierte Werte und eine konsistente Haltung. Ein solcher Kompass gibt Mitarbeitenden Orientierung und ermöglicht der Führung klare Entscheidungen. Er schafft Kohärenz. Intern wie extern.

Punkt 2 – Dialogformate zur „Offenen Gesellschaft“ etablieren: Statt moralischer Einbahnstraßen braucht es echte Gespräche: mit Mitarbeitenden, Kundinnen und Kunden sowie der breiteren Öffentlichkeit. Townhall-Formate, Talks oder offene Foren fördern Austausch und verhindern Polarisierung.

Punkt 3 – Mitbestimmung stärken: Wo Mitarbeitende beteiligt werden, wo Konflikte im Dialog gelöst und demokratische Prinzipien gelebt werden, entsteht ein Lern- und Schutzraum für demokratische Kultur. Betriebliche Mitbestimmung wird so zu einem demokratischen Trainingsfeld.

Punkt 4 – Politische Verantwortung im Aufsichtsgremium verankern: Die Frage, welche Rolle Unternehmen in der Gesellschaft spielen, gehört auf die Agenda des Aufsichtsrats. Ethik-, Nachhaltigkeits- oder Gesellschaftsausschüsse schaffen Strukturen, um diese Verantwortung professionell wahrzunehmen.

Punkt 5 – Zivilgesellschaftliche Initiativen unterstützen: Unternehmen können Organisationen stärken, die sich für Offenheit, Pluralität und Toleranz einsetzen. Dieses Engagement erhöht die Resilienz der offenen Gesellschaft und damit auch die Stabilität der sozialen Marktwirtschaft.

Diese fünf Punkte sind aus meiner Sicht ein überzeugendes Rezept, um langfristig wirksam zu bleiben und Vertrauen aufzubauen. Sie wirken wie ein Gegenmittel zu den allzu häufigen „Washing“-Strategien, die beim ersten politischen Gegenwind verpuffen. Wer Verantwortung als Haltung versteht, steht nicht wie ein Fähnchen im Wind.

Am Ende bleibt die zentrale Einsicht: Unternehmen schützen die liberale Demokratie nicht aus Altruismus, sondern weil sie ohne sie nicht erfolgreich wirtschaften können. Demokratie ist ein Standortfaktor und ein Risiko, wenn sie erodiert.

Welche Verantwortung sollten Unternehmen heute übernehmen, um die offene Gesellschaft zu schützen und wo verläuft für dich die Grenze zwischen Haltung und politischer Einmischung?

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Ich bin Bernd Scharbert und vertrete mit einem Lehrauftrag das Thema „Wirtschaftsethik“ an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen für BWL-Studierende im Bachelorstudiengang. Und ich unterstütze Führungskräfte zum Thema Nachhaltigkeit, Vielfalt & Inklusion, zu Aspekten interkultureller Führung und ganz allgemein zu nachhaltig wirksamer Arbeit.

Wenn das interessant klingt, können wir gerne ins Gespräch kommen.

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