Einsam sende ich eMails

Einsam sende ich eMails aus dem Hotelzimmer. Die Minibar hält genügend Getränke bereit. Durch das Internet fühle ich mich inmitten meines Alleinseins im luxuriösen und doch faden Hotelzimmer verbunden, ganz nah in der Welt. Ich bekomme ja Kontakt, „Immediate Response“.

Warum reden wir nicht mehr miteinander, sondern mailen nur noch?

Die Müdigkeit verschwimmt, es gibt sie nicht mehr.

Ich kann die ganze Nacht durcharbeiten und doch schlafe ich irgendwie fünf Stunden. Das Aufstehen fällt schwer und den Frühstückshappen, ein paar Cornflakes mit Joghurt, muss ich mit Grapefruitsaft ´runterspülen.

Merkwürdig fantastisch, wie schnell ich mich zum Einzelkämpfer entwickelt habe. Harte Telefonkonferenzen kann ich schon nicht mehr ernst nehmen. Managementfloskeln erkenne ich schon, bevor sie ausgesprochen sind – und doch wende ich sie auch selbst an – allerdings nur in Ausnahmefällen.

Wo bin ich gelandet, nein, wo bin ich gestrandet. Angespühlt in ein Fünf-Sterne Hotel. Austauschbar, auch wenn es in Schanghai oder Nanjing ist und einen wunderschönen Ausblick hat, vor allem bei Nacht.

Gier und Angst sind die Treiber für viele, aber doch nicht für mich. Warum das Ganze? Die zentrale Frage „Wieviel kann ich genießen?“

Tatsächlich, es gibt sie, diese Glücksmomente. Immer dann, wenn ich direkt mit den Menschen zu tun habe, egal in welchem Land, egal in welcher Kultur.

Wie stark kann ich in den schönen Momenten verdrängen: die anstehenden Entscheidungen, die quälenden Fragen, die zu erledigenden dringenden Nachfragen, die bevorstehende Telefonkonferenz, wo nicht klar ist, was einen erwartet. Daran hängt alles, das mit dem Genießen-können.

⏭️ Der Mensch steht im Mittelpunkt. Das Mensch-Sein. So funktioniert es. ⏮️

Ganz spontan gehe ich ins Internet zur Ablenkung und finde, was ich gesucht habe. Ein Chanson von Reinhard Mey. Ich drücke auf den Playbutton, höre die Melodie und den Text und lasse meiner Sehnsucht in diesem Moment freien Lauf.

Ich leite den Link weiter nachhause, meiner Zeit sieben Stunden hinterher, also in den späten Abendstunden. Ich lasse SIE in diesem Moment wissen, wie sehr ich SIE gerade vermisse. Und ich kann es nicht erwarten, bis ich SIE zuhause wiedersehe.

„Wie vor Jahr und Tag, liebe ich dich doch. Vielleicht weiser nur und bewusster noch. Und noch immerfort ist ein Tag ohne dich ein verlor’ner Tag, verlor’ne Zeit für mich. Wie vor Jahr und Tag ist noch immerfort das Glück und dein Name dasselbe Wort. Allein, was sich geändert haben mag: Ich lieb‘ dich noch mehr als vor Jahr und Tag.“

Was ich wirklich auf all meinen Dienstreisen, wenn ich allein unterwegs war, fühlen konnte: Einsamkeit und Sehnsucht. Abschied nehmen war gleichzeitig verbunden mit der Vorfreude auf das Wiedersehen bei meiner Rückkehr.

Den Rückflug nachhause wollte und durfte ich nie verpassen.

➡️ Da ist es wieder, das Thema Einsamkeit. Wie geht es dir in einsamen Momenten?

Ich bin Bernd Scharbert und unterstütze Führungskräfte mit meinem Erfahrungswissen aus über 30 Jahren Führungserfahrung in der Unternehmenswelt. Und auch bei der Frage, wie man Familie, Beruf und sein Leben unter einen Hut bringen kann. Bei Interesse folge mir gerne bei LinkedIn, #prepare4landing oder kontaktiere mich direkt.

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