Die Triebkraft hinter Führung: eine kleine Geschichte über ein großes Aha-Erlebnis und ein Spiegelmoment, der vieles klarer machte.
Vor einigen Jahren stand in meinem Werk eine wichtige Veränderung an: Die Betriebsleitung sollte neu besetzt werden. Für mich war die Entscheidung längst gefallen. Seit seiner Einstellung drei Jahre zuvor hatte ich einen Mitarbeitenden im Blick, der für diese Rolle wie geschaffen schien.
Ein paar Monate vor der geplanten Übergabe bat ich ihn in mein Büro, um ihn über die Beförderung zu informieren. Ich wollte ihm die Möglichkeit geben, sich mit einem Coaching gezielt auf die neue Verantwortung vorzubereiten.
Zu meiner Überraschung hatte er sofort eine Coachin im Kopf und bat mich, sie zu beauftragen. Kein Problem, dachte ich. Ich wollte sie nur vorher kennenlernen.
Das Gespräch mit der Coachin entwickelte sich schnell zu mehr als einer formalen Abstimmung. Sie hatte sich ein Bild von meinem Mitarbeitenden gemacht und, wie sich herausstellte, auch von mir.
Mitten im Gespräch stellte sie mir eine Frage, die mich aus dem Konzept brachte: „Herr Scharbert, was ist Ihre Triebkraft für Ihre Aufgabe? Was motiviert Sie?“
Ich weiß nicht mehr, was ich geantwortet habe. Aber ich weiß noch genau, was sie darauf sagte:
„Mein Gefühl sagt mir, dass Sie andere Menschen wachsen sehen wollen und sich an ihrem Erfolg erfreuen.“
Ich war verblüfft. Und dann still. Denn sie hatte recht.
In diesem Moment wurde mir klar, dass „Developing Others“ nicht einfach ein Führungsinstrument für mich war. Es war ein Wert. Vielleicht sogar der zentrale Wert in meiner beruflichen Identität. Ein Wert, den ich lebte, ohne ihn je bewusst benannt zu haben.
Rückblickend wurde mir klar, dass dieses Gespräch mir gezeigt hat, dass Führung immer mit einem inneren Kompass beginnt, oft lange bevor man ihn selbst benennen kann.
Ich hatte meinen Mitarbeitenden nicht zufällig im Blick. Ich hatte sein Potenzial gesehen, weil es mir Freude macht, Menschen wachsen zu sehen. Die Coachin hat diesen Wert nur sichtbar gemacht. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.
Und sie hat mir gezeigt, wie wertvoll es ist, sich irritieren zu lassen. Ich wollte eigentlich nur prüfen, ob sie zu meinem Mitarbeitenden passt. Stattdessen hielt sie mir einen Spiegel vor und ich war bereit hineinzuschauen.
Und das ist die leise Ironie dieser Geschichte: Ich wollte Entwicklung ermöglichen, und plötzlich entwickelte ich mich selbst. Nicht spektakulär, aber nachhaltig.
Und jetzt interessiert mich: Welche Werte treiben Sie in Ihrer Arbeit wirklich an, jenseits von Rollen und Erwartungen?
————————–
Ich bin Bernd Scharbert und begleite Führungskräfte, wenn es darum geht, in herausfordernden Situationen einen guten Weg zu finden: mit starker Präsenz, erfolgreich und stimmig mit den eigenen Werten. Wenn das für Sie von Interesse ist, lassen Sie mich es gerne wissen.



