Die Festung Frankfurt und ein Frühstücksmeeting in Dallas um 4 Uhr morgens

Ich war zum Werksleiter des größten deutschen Werks innerhalb eines amerikanischen Konzerns befördert worden und hatte nun vor allem mit einem bi-kulturellen Verhältnis zu tun.

Spannend für mich vor allem die Frage, wie erfolgreich wir im Werk mit der amerikanischen Art der Kommunikation umgehen können.

Der erste kulturelle Clash ließ nicht lange auf sich warten. Ein großes Investitionsprojekt zur verbesserten Digitalisierung eines wichtigen Betriebes des Werks wurde abgelehnt. Die Kommunikation zwischen Betrieb und der amerikanischen Zentrale lief schief. Gegenseitige Vorwürfe.

Ich versuchte zu vermitteln und begann meine Ansprache so: „Ich bin Deutscher und Deutsche sind immer sehr direkt in ihrer Kommunikation. So, hier ist mein Thema ….“

Und dann schilderte ich meine Beobachtungen und die Gründe, warum wir uns im deutschen Werk ungerecht behandelt fühlten.

Ein paar Tage später auf der Corporate Leadership Conference in Dallas, zu der ich als Werksleiter auch eingeladen war, nahm mich der globale Produktionsleiter zur Seite: „Lass uns mal sprechen, bevor die Konferenz morgen früh losgeht. Dort um die Ecke ist ein IHOP*.“ (*International House of Pancakes)

So trafen wir uns morgens um 4 Uhr in diesem Frühstückrestaurant an einem Highway in der Nähe. Ja, es hatte geöffnet. Und wir konnten uns aussprechen. Gegenseitig zuhörend, wertschätzend und aufnahmefähig.

Wir kannten uns persönlich ein bisschen, nicht gut, aus unseren jeweiligen früheren Rollen. Nach dem Frühstücksgespräch entwickelte sich zuerst gegenseitiges Verständnis. Später wurde daraus eine tiefe Freundschaft.

Die Investition wurde genehmigt und der globale Produktionsleiter, trat von da an sehr respektvoll und zuhörend bei seinen Besuchen in unserem Werk auf. Meine Mitarbeitenden im Betrieb waren dafür sehr dankbar.

Zu mir sagte er einmal: „Bernd, seit du hier im Werk in der Verantwortung bist, hat sich die Festung Frankfurt der Zentrale gegenüber geöffnet“.

Meine Antwort: „Die Festung Frankfurt existiert nach wie vor. Ich möchte und werde in der Regel immer schützend vor meinem Team stehen. Zu dir haben wir Vertrauen aufgebaut. Deswegen haben wir dir gezeigt, welche Hintertür für dich immer geöffnet ist.“

➡️ Welche Hintertüren öffnen Sie für die Menschen, denen Sie vertrauen?

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