Carriageworks in Sydney: einst Eisenbahnwerkstätte, heute ein pulsierender Ort für zeitgenössische Kunst.
Von unserem Apartment im August ist es nur ein kurzer Weg, und das Festival der „Dangerous Ideas“ hatte mich schon im Veranstaltungskalender angelockt. Die Podiumsdiskussion „Against Goodness“ versprach guten Input für meine Vorlesung in Wirtschaftsethik.
Der Saal: ausverkauft. Das Podium: international und klug besetzt. Jesse Bering, Joanna Bourke und Hanno Sauer näherten sich der Frage, warum moralische Gewissheit oft weniger mit Menschlichkeit und Güte zu tun hat als mit Macht, Geschichte und kultureller Evolution.
Joanna Bourke diskutierte Beispiele von Frauen, die in verschiedenen historischen Kontexten als „böse“ markiert wurden. Oft durch gesellschaftliche Zuschreibungen und nicht nur durch ihre Taten.
Hanno Sauer argumentierte, dass Moral ein historisches Werkzeug menschlicher Problemlösung ist. Und dass wir heute an einem Punkt stehen, an dem Kooperation global gedacht werden muss: Klimakrise, Pandemie, KI, Geopolitik.
Die Bücher, die die beiden geschrieben haben, hatte ich für die Signierung noch nicht zur Hand. Kein Problem: dafür konnte ich die braune Buchpapiertüte einsetzen.
Die Tüte war zwar noch leer, aber das wird sich ändern: „Five Evil Women“ von Joanna Bourke, und „The Invention of Good and Evil: A World History of Morality“ von Hanno Sauer werden darin ihren Platz finden.
Was ich aus dieser Veranstaltung mitnehme: Moralische Gewissheit ist verführerisch, aber oft ein schlechter Ratgeber. Moralische Kategorien sind historisch gewachsen und kulturell geprägt.
Für meine Lehre bedeutet das: Wer über Verantwortung spricht, muss zuerst die eigenen moralischen Gewissheiten hinterfragen. Erst dann entsteht der Raum, in dem Kooperation über Kulturen hinweg und echte Menschlichkeit möglich werden.
Und jetzt interessiert mich: Wo haben Sie erlebt, dass eine moralische Überzeugung mehr begrenzt als geholfen hat?
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Ich bin Bernd Scharbert, lehre „Wirtschaftethik und Nachhaltigkeit“ als Dozent innerhalb der Fakultät Business Science und Management an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen und begleite und berate Führungskräfte zu Themen integrativer Führung.
Mein Buch „Prepare for Landing: Leitlinien für interkulturelle Führung“ ist im Online‑Shop vom Verlag Barbara Budrich und überall im Buchhandel erhältlich.
#Prepare4Landing Budrich Inspirited



