Brot, Brezeln und Nutella

„Ich bin deutscher als ich dachte.“

Ich hörte diesen Satz von ihr, die nach dem Abitur in einer deutschen Großstadt ein Gap-Year in Barcelona einlegte, um ihr Spanisch zu verbessern und ein wenig Katalanisch zu lernen. Die Lebensart dort war für diese neugierige, unternehmenslustige und Unabhängigkeit-anstrebende junge Frau sehr anziehend. Das Leben nach Feierabend begann dort erst so ab 21 Uhr und spielte sich dann bis weit nach Mitternacht ab.

„Wie kommst du denn da drauf?“, meine Frage an sie.

„Na ja, ich kann mich an die langen Nächte nicht gewöhnen. Und auch nicht an das späte Abendessen nach Neun. Die ersten Wochen war das ja ganz schön. Aber mittlerweile würde ich jetzt auch mal wieder gerne um Zehn zu Bett gehen. Und das tue ich dann auch.“

Sie vermisste die diesbezügliche Kultur ihres Elternhauses und verband das mit dem Thema „Deutsch-Sein“.

Es machte mich nachdenklich. Ich selbst nehme für mich in Anspruch, global zu denken und zu handeln. Na ja, mindestens Europäisch. Tatsächlich bin ich aber in Deutschland aufgewachsen und sozialisiert worden und das prägt.

Denn es gibt viele Dinge, bei denen ich mich ertappe, „deutsch“ zu sein. Mit dem Spruch „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ bin ich in meinem Elternhaus groß geworden. Und ich finde noch mehr Beispiele:

✳️ Nationalstolz bei großen Fußballturnieren oder bei der Olympiade oder wenn es um Beethoven, Goethe oder Weimar geht oder um Nobelpreise.

✳️ Sprachpoesie. Deutsch erstaunt mich immer wieder aufs Neue. Leise poetisch unter seiner logischen Ordnung, schrieb mir @Jessica Buchleitner in einem Kommentar (https://lnkd.in/gPS3s-sY),

✳️ Brot, Brezeln und Nutella.

✳️ und ja, Ordnung, Sauberkeit und Pünktlichkeit schätze ich einfach, auch wenn ich den Begriff der Kehrwoche nicht mag.

Das waren die Dinge, die ich als ExPat bewusst wahrgenommen habe. Erst, wenn man längere Zeit im Ausland lebt, fallen einem die Dinge auf, die zuhause selbstverständlich sind, im neuen Umfeld aber schmerzlich vermisst werden.

Die Kultur prägt uns in unserer Sozialisierung.

Aus neurologischer Sicht kann Kultur als ein Netzwerk von neuronalen Verbindungen und Prozessen betrachtet werden, die durch soziale Interaktionen und Erfahrungen geformt werden. Diese Verbindungen beeinflussen, wie Menschen Informationen wahrnehmen, verarbeiten und darauf reagieren.

Und das führt zu unseren Gewohnheiten, Denkmustern und Paradigmen.

Kultur wirkt sich somit auf die Struktur und Funktion des Gehirns aus, indem sie bestimmte Denk- und Verhaltensmuster verstärkt. Und zwar so, dass sie in verschiedenen sozialen Umgebungen unterschiedliche Definitionen von der Norm beinhalten.

Daraus habe ich für mich ein Ziel abgeleitet. Ich möchte für mich mehr Kulturen erlebbar machen, um so das Gefühl der Normalität auch für das außerhalb der Norm zu stärken. Das Aufbrechen von alten Denkmustern eben.

Welche Ideen daraus entstanden sind und welche Tools ich dafür verwende, das findet sich in meinen vier Leitlinien zur interkulturellen Führung. Sie erleichtern den interkulturellen Umgang miteinander und fördern die Leistungen von global zusammengesetzten Teams.

➡️ Das hört sich für Sie interessant an? Gerne können Sie mir bei LinkedIn, #Prepare4Landing folgen oder mich direkt kontaktieren.

Ich bin Bernd Scharbert und meine Aufgabe als Mentor für Führungskräfte ist es, sie so zu begleiten, dass global zusammengesetzte und interkulturelle Teams die Möglichkeit haben, sich in ihrer Performance und in ihrem Growth Mindset weiterzuentwickeln.

 

 

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